Der Strandkorb feiert Jubiläum – 135 Jahre Strandkorb

Für viele gehört der Strandkorb bei einem Strandbesuch genauso dazu, wie die Sahne auf einem Eisbecher. So selbstverständlich und luxuriös saß man aber nicht immer am Ostseestrand.

Der Strandkorb wird aus einem Korbgeflecht hergestellt und soll am Strand vor Wind, Sand, Regen und natürlich vor der Sonne schützen. Die Strandkörbe findet man vor allem an den Küsten, eben dort wo es sehr windig ist. Unterschieden wird zwischen dem Nordseestrandkorb, der eine eckige, gerade Form aufweist und dem Ostseestrandkorb. Der Ostseestrandkorb hat eine geschwungene, leicht abgerundete Form. Das erste Modell des Ostseestrandkorbs wurde vor 135 Jahren erstmals entworfen.

Um 1882 wünschte sich eine adlige Dame – Elfriede von Maltzahn – eine Sitzgelegenheit für den Strand, welche sie vor Wind und vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen sollte. Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts galt Bräune in feudalen Kreisen als Zeichen von niedrigem sozialen Rang. Mit dem Wunsch nach solch einem Sonnenschutz wurde der Rostocker Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann beauftragt und daraufhin fertigte er ihr einen Strandstuhl aus Korb an.

Der erste Strandkorb ist aber nicht mit dem heutigen Strandkorb vergleichbar, denn anfangs war es ein Einmann-Strandkorb. Scherzhaft und weil dieser Einsitzer ein ungewohntes Bild am Strand abgab, wurde diese erste Variante auch als „aufrecht stehender Wäschekorb“ bezeichnet. Doch scheinbar gefiel diese praktische Sitzgelegenheit auch anderen Strandgängern und so kamen nach dem ersten Auftrag viele weitere. 1883 fertigte Herr Bartelmann dann den ersten Zweisitzer. Der Erfolg der Erfindung war unübersehbar und so eröffnete das geschäftige Ehepaar – Wilhelm und Elfriede Bartelmann – auch zeitnah die erste Strandkorbvermietung in Warnemünde direkt am Leuchtturm. Den Strandkorb so wie wir ihn heute kennen – mit geschwungenen Formen und Markise – gab es um 1930 rum. Auch die Kinder und Kindeskinder stiegen nach und nach in die Bartelmann-Geschäfte ein. Zu Spitzenzeiten hatte die Familie Bartelmann 7 Geschäfte entlang der Ostseeküste mit den Geschäftsfeldern der Strandkorbvermietung und touristischen Souvenirs – zwei davon waren in Kühlungsborn.  Heute gibt es insgesamt nur noch ein Geschäft Bartelmann, im Ostseebad Kühlungsborn in der Hermannstraße 28.

Ein Patent für den Strandkorb wurde nicht von der Familie Bartelmann angemeldet und so steht bis heute nicht zweifelsfrei fest, wer den ersten Strandkorb erfunden hat bzw. wo er erfunden wurde. Überlieferungen zur Folge hat es ungefähr zu gleichen Zeit an der Nordsee ebenfalls Strand-Stühle gegeben und die Anregungen zur Gestalt des Strandkorbes holte sich Wilhelm Bartelmann aus holländischen Wohnstuben. Da es keine Patentanmeldung gab, dafür aber die Nachfrage stetig stieg, fingen auch andere Korbmacher an, Strandkörbe zu bauen und diese weiterzuentwickeln.   So kamen nach und nach Strandkörbe mit Fußstützen, Armlehnen, Seitentischchen und sogenannte Halblieger mit verstellbarer Rückenlehne (1897) auf den Markt.

Alle Küstenstädte an der Ostsee, die etwas auf sich hielten, waren bereits um 1900 mit Strandkörben ausgestattet und viele davon wurden von der Rostocker Strandkorbwerkstatt Bartelmann beliefert. Leider wurde die in Rostock ansässige Werkstatt im Jahr 1945 während eines Bombenangriffs getroffen – das gesamte Korb- und Flechtmaterial wurde bei dem Brand zerstört. Bis zum Jahr 1990 gab es dann keine Strandkörbe bei der Familie Bartelmann zum Erwerb.

Geführt wird das Bartelmann-Geschäft seit 2005 in der 4. Generation von Andreas Bartelmann. Seit 1990 kann man unter dem Namen Bartelmann zumindest wieder Strandkörbe- ob groß oder in Miniaturausführung –  bestellen. Produziert werden die Körbe bei den bekannten Strandkorb-Herstellern Korbwerk, Korb GmbH oder den Buxtehudern Strandkorbprofis. Kaufen kann man in dem Bartelmann-Laden heute eine Menge schöner Dekoartikel, maritime Souvenirs und Haushaltswaren. Auch online kann man auf der Familienseite der Bartelmanns stöbern oder bald Souvenirs in dem geplanten Online-Shop bestellen (http://www.bartelmann.com)

Ein Traum von Andreas Bartelmann ist es ein Strandkorb-Museum in seinem Geschäft zusammenzustellen und zu eröffnen, denn die Familie Bartelmann hat einiges zu berichten. Dafür muss er allerdings erst das Gebäude in der Hermannstraße ausreichend um- und ausbauen. Dann könnten Besucher verschiedene Strandkorbmodelle, Entwicklung Skizzen sowie historische Aufnahmen von seinem Ur-Ur-Großvater Wilhelm Bartelmann bewundern.