Die Kühlungsborner Kunsthalle – für alle und doch kein Mainstream

Sie ist der Veranstaltungsort im Ostseebad: die Kunsthalle. Zahlreiche Veranstaltungen werden Interessierten geboten – von Ausstellungen über Festivals bis hin zu Lesungen. Die Bandbreite ist groß und trotzdem gibt es hier kulturelle Leckerbissen statt Einheitsbrei.

„Man muss nicht wissen, was dort passiert, aber man muss hingehen – denn alles ist gut“, diesen Satz hat ein Besucher der Kühlungsborner Kunsthalle im Gästebuch verewigt. „Wir bieten nur Veranstaltungen höchster Qualität“, betont Franz. N. Kröger. Und nicht nur darauf ist der 61-Jährige stolz – auch auf sein Publikum. „Es ist unglaublich kenntnisreich und liebevoll: Die kann man alle einzeln in den Arm nehmen“, schwärmt Kröger.

Seit 25 Jahren leitet er die Kunsthalle. Und was eigentlich nur eine Zwischenstation sein sollte, ist heute sein Leben. „Hier möchte ich nicht mehr weg“, sagt der diplomierte Kultur- und Kunstwissenschaftler. Die Kunsthalle sei sein Tempel. Kröger fährt nicht mehr in die weite Welt, er holt sie sich nach Hause: „Wir haben hier Künstler, die einen übernationalen und internationalen Ruf haben und das Entscheidende – links und rechts vom Mainstream.“

So waren bei dem internationalen Gitarrenfestival Größen aus der ganzen Welt im Ostseebad zu Gast. „Wir hatten die gesamte Weltspitze hier. Zum Beispiel Andrew York – er war jahrelang Chef des berühmten L.A. Guitar Quartet“, sagt Kröger. Aber auch Künstler aus Mexiko, den USA, Afrika, Asien und ganz Europa treten hier auf. Um die 100 Menschen haben dann in der ehemaligen Lesehalle Platz. Jedes Jahr im August findet das Gitarren-Festival statt. Und das schon seit der Eröffnung 1991.

Die Kühlungsborner Festival-Saison beginnt  im Mai und startet mit den viertägigen Piano-Tagen. Seit 2013 steht für die Künstler ein erstklassiger Bösendorfer Flügel bereit. In diesem Jahr wird dieser unter anderem von dem Kasachen Michael Legotsky und der jungen Deutschen Natalia Ewald bespielt. Für Kröger ist wichtig, dass sich nicht nur seine Besucher wohlfühlen: „Für den Abend ist der Künstler König, und so wird er auch behandelt!“

Im Juli finden in diesem Jahr die 16. Jazz-Tage statt.  Beim NDR hatten diese sogar mehrere Jahre einen eigenen Sendeplatz. Auftreten werden unter anderem das Jazz Quartett Berlin 21 und das Duo Jan Luley & Thomas LÉtienne.

Mit den Kammermusik-Tagen im Oktober wird die Festival-Saison beendet. Besucher können sich unter anderem auf die spanische Musikerin Ana Alcaide und den deutschen Pianisten Holger Mantey freuen.

„Die Kunsthalle ist ein Kultort für Kunst und Konzerte“, sagt Kröger. Carsten Gieseke – Bremer Architekt – saniert und baut die ehemalige Lesehalle 1991/92 um. Als zuvor eine Gruppe von Künstlern und Künstlerinnen eine Ausstellung ins Leben ruft, wird die Idee hier eine dauerhafte Kunsthalle zu eröffnen geboren. Es folgen bis heute eine Reihe zeitgenössischer Kunstprojekte sowie Ausstellungen der klassischen Moderne. Und immer wieder überrascht sie mit außergewöhnlichen Schauen wie mit Originalen von Dali, Picasso oder Chagall. Für Kröger ist dennoch die Nähe zu regionalen Künstlern wichtig. Und so startete auch die Erfolgsgeschichte der Kunsthalle mit Künstlern aus der Umgebung.

Sieben bis acht Ausstellungen finden jährlich statt. „ Ich bekomme im Jahr 500 Kataloge zugeschickt, von Künstlern die hier ausstellen wollen“, sagt Kröger. Bei der Auswahl hat er genaue Vorstellungen. Kunst, die er präsentiert, muss kreativ und etwas Neues sein und mit Politik, Gesellschaft und Kultur zu tun haben: „Kunst muss etwas zu sagen haben.“

Die derzeitige Ausstellung zeigt die Kunstsammlung von Peter Funken und Andreas A. Koch. Bis Anfang Juli sind dann  Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Martin Kippenberger, Robert Morris, Rosemarie Trockel oder Marcel Duchamp zu sehen. Am 8. Juli ist die Vernissage zum Thema Fotografien (bei Redaktionsschluss lagen noch keine weiteren Informationen vor).

Bei allem was Kröger für sein persönliches Lebenswerk – die Kunsthalle –  tut, spielen Liebe und Achtsamkeit  eine entscheidende Rolle. „Alles was ich nicht mit dem Herzen mache, taugt nichts“, sagt er. Und dies spüren Besucher und Künstler bei all den Veranstaltungen – Krögers Herzblut. Und so konnte die L.A. Times es auch nicht treffender ausdrücken: „Es gibt keinen schöneren Ort für Festivals als Kühlungsborn an der Ostsee.“ (ado)