Küstenschutz in Kühlungsborn

3,6 Millionen Euro – damit der Sand am Strand bleibt

Wenn Bürgermeister Rainer Karl über Kühlungsborn spricht, fängt er an zu schwärmen:

„Es ist das schönste Seebad an der Ostseeküste.“

Besonders liebt der 62-Jährige den Strand. Dort ist er aber mit seiner Frau im Sommer meist nur früh morgens anzutreffen – wenn fast noch niemand dort ist.

„Das ist dann wie im Paradies. Der geharkte Strand, die Möwen wundern sich, dass schon welche an den Strand kommen und dann dieses Licht. Herrlich“,

sagt Karl. Wie im Himmel sei das.

 

Damit der Strand auch so schön bleibt, investieren die Stadt und das Land insgesamt 3,6 Millionen Euro. „Der Strand wurde immer schmaler in den letzten Jahrzehnten. Eigentlich sagt man, die See nimmt, die See gibt. Aber die See hat mehr genommen“, sagt Karl. Deshalb wurde zusammen mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Rostock ein Projekt zum Schutz des Strandes entwickelt und umgesetzt.

Im Frühjahr nächsten Jahres sollen voraussichtlich auf einer Länge von 3,5 Kilometern knapp 100-Tausend Kubikmeter Sand aus der Ostsee auf den Strand geschüttet werden. Damit der Sand auch am Strand bleibt, sind Buhnen nötig. Denn diese halten den Sand und verlangsamen den Fluss.

5700 neue Buhnenpfähle aus Eukalyptus wurden deshalb in die Erde gerammt und alte abgefaulte Buhnenstämme ersetzt – einige von ihnen hatten schon 100 Jahre auf dem Buckel. Außerdem wurden die Buhnen von 70 auf 80 Meter verlängert. „Das ist einmalig an der Ostseeküste. Wir sind die ersten, die es auch mal angepackt haben“, sagt Karl. Das Zeitfenster für die Arbeiten ist gering. Im Sommer sollen die Gäste nicht mit Baulärm belästigt werden und im Herbst und Winter muss das Wetter mitspielen. Bei zu starkem Wind und zu hohen Wellen kann selbst schweres Gerät nicht eingesetzt werden.

Aber nicht nur Buhnen sollen den Sand dort lassen wo wir ihn im Sommer am liebsten haben.  Auch der Waldstreifen zwischen Straße und Promenade hält den Sand fest. „Der ist heilig und geschützt. Der Wald ist Bestandteil des Küstenschutzes, sonst hätten wir bei starkem Wind den Sand auf der Straße“, sagt Karl. Auf die Dreier-Kombination Strand, Promenade, Küstenwald ist das Stadtoberhaupt besonders stolz. Denn die ganz große Besonderheit sei, dass das Wasser trotzdem von jeder Stelle aus zusehen ist. Insgesamt gibt es viel Grün in Kühlungsborn. Der Stadtwald sorgt selbst im Sommer bei hohen Temperaturen für ein angenehmes Klima.

„Aber unser höchstes Gut ist der Strand“, sagt Rainer Karl. Deshalb reinigen im Sommer täglich 12 Menschen den Strand. Säubern ihn von Zigarettenkippen, Papier und mitunter sogar eingegrabenen Windeln. Zusätzlich wird der Strand von einer Reinigungsmaschine gesiebt und geharkt. „Dafür nehmen wir in der Saison zwei Euro Kurtaxe pro Tag. Ansonsten könnte sich die Stadt sowas nicht leisten“, sagt Karl. Besuchern stehen am Strand 18 öffentliche Toiletten zur Verfügung. Zu Hochzeiten seien bis zu 30 000 Menschen im Ort, etwa 8000 Einwohner leben hier sonst. Und fast alle haben nur ein Ziel: den Strand.

Den sieht Bürgermeister Karl sogar von seinem Büro aus. „Für so einen schönen Arbeitsplatz muss man dankbar sein“, sagt er. Im Sommer tauscht das Stadtoberhaupt dann in der Mittagspause gern mal den Anzug gegen die Badehose. Umso schöner wenn er sich dann noch über zufriedene Urlauber an einem sauberen und  gepflegten Strand freuen kann.   (ado)