Historisches Kühlungsborn – Das Haus des Gastes
Errichtet wurde die Villa 1905/06 von der Berliner Kunstmalerin Amalie Kopsin.

Sie führte bereits ein erstes „Haus Laetitia“ in der Oberen Strandstraße, bevor sie das Grundstück in Brunshaupten – dem heutigen Kühlungsborn – erwarb und ein neues, besonders repräsentatives Haus errichten ließ. Ihr Ziel: ein Ort für Kunst und Erholung. Tatsächlich warb der Rostocker Anzeiger am 1. November 1910 für die „Malschule Laetitia“ als Ort, an dem junge Damen im milden Seeklima malen und zeichnen lernen konnten. Neben der künstlerischen Ausbildung bot das Haus auch Verpflegung und Unterkunft – ein viermonatiger Kurs begann wahlweise im August oder November.
Nach dem Tod ihrer Tochter Lilly Kopsin im Jahr 1914 endete die Nutzung als Malschule. Das Haus ging in den Besitz des Justizinspektors i. R. Hugo Schulz über, der es als klassische Pension weiterführte. 1937 wurde es an Ernst Vick verkauft.
Ein Haus mit vielen Gesichtern
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa zunächst weiterhin als Pension genutzt, ab 1960 jedoch zum Schwesternwohnheim umfunktioniert. Später diente sie als Verwaltungssitz des benachbarten Kreiskrankenhauses. In den 1990er-Jahren übernahm schließlich die Stadt das Gebäude. 1997 zog die Kurverwaltung ein, 1998 kam die Heimatstube hinzu. Seit 2002 ist die Villa offiziell das „Haus des Gastes“ und Sitz der Tourimus, Freizeit und Kultur GmbH mit Tourist-Information.
Architektur mit Ausstrahlung

Die Villa Laetitia ist ein Paradebeispiel neoklassizistischer Bäderarchitektur: ein zweigeschossiger Putzbau mit abgesetztem Souterrain, einer eindrucksvollen,
zweiläufigen Freitreppe und einer von sechs reich verzierten Säulen flankierten Vorhalle. Der Dreiecksgiebel über dem Eingangsbereich trägt bis heute stolz den Namen des Hauses. Besonders bemerkenswert ist der sechseckige Rückbau mit seiner umlaufenden Veranda – ursprünglich ein Ort der Muße und des Ausblicks. Im Inneren gruppieren sich die Zimmer um einen zentralen Lichthof, der dem Haus Licht, Offenheit und Struktur verleiht. 1911 wurde die polygonale Rückseite zweigeschossig ausgebaut, was das Raumgefühl weiter steigerte.
Sanierung
Zwischen 2000 und 2002 wurde die Villa umfassend saniert. Dabei wurde nicht nur die äußere Erscheinung bewahrt, sondern auch der zentrale Lichthof im Inneren rekonstruiert – ein architektonisches Highlight, das heute wieder voll zur Geltung kommt. Einziger Wermutstropfen: Die ursprünglich umlaufende Veranda und die Balkone wurden im Laufe der Jahrzehnte entfernt.
Kurze Fakten zur Architektur:
- Neoklassizistischer Putzbau mit Freitreppe und Säulen-Vorhalle
- Dreiecksgiebel mit Hausname
- Innenhof mit Galerie
- Rückseite sechseckig, 1911 zweigeschossig ausgebaut
- Sanierung: 2000–2002 umfassende Renovierung
- Wiederherstellung des zentralen Lichthofs
- Balkone & Veranda nicht erhalten
- 2022 Instandsetzung des Glasdaches