Im Interview mit Jochen Schümann

Der erfolgreichste deutsche Segler aller Zeiten – Jochen Schümann – nahm zum wiederholten Mal an dem Dragon Grand Prix im Ostseebad Kühlungsborn teil. Dem 3-fachen Olympia-Gold Gewinner (1976 Montreal, 1988 Busan – Südkorea, 1988 in Savannah – Georgia) wurde neben vielen weiteren Europa- und Weltmeisterschaftssiegen auch das silberne Lorbeerblatt verliehen, was als höchste Auszeichnung in der deutschen Sportlandschaft gilt. Wir hatten das „Glück“, dass am Tag 2 des Dragon Grand Prix 2017 eine Flaute herrschte und wir so ein Interview mit dem sympathischen Segelidol führen konnten.

Sie sind gebürtig aus Ost-Berlin Köpenick – wie sind Sie zum Segelsport gekommen?
Ich habe meine Segelkarriere im Alter von 12 Jahren begonnen. Heute ist der Segelsport etwas sehr Exklusives, was leider auch immer mit viel finanziellem Aufwand verbunden ist. Damals war das nicht so, mein erster Optimist war selbst gebaut und mit dem habe ich begonnen auf dem Berliner Müggelsee das Segeln zu lernen. Als Kind war ich dann mehrfach auch bei euch an der Ostsee segeln – als Anfänger noch in Rerik auf dem Salzhaff und später dann auf der Ostsee bei Warnemünde.

Das Hobby zum Beruf machen, diesen Traum können sich nicht viele erfüllen – geht auch ein Profi-Segler mal in den Ruhestand?
Ich segle für mein Leben gerne und habe daher damals 1983 als Sportlehrer und später dann als Sportmanager gearbeitet. Bei mir dreht sich vieles im Leben um den Sport und das Segeln. Ich mach das jetzt schon so lange Zeit und natürlich werde ich – solange ich kann – auch segeln, wenn ich nicht dafür bezahlt werde.

Sie haben 3 -fach Olympia Gold gewonnen, da kann eigentlich nicht mehr viel kommen. Gab es ein besonderes Highlight in Ihrer Segel-Karriere?
Im Nachhinein ein Highlight herauszusuchen ist gar nicht so leicht. Natürlich war der größte mediale Erfolg meiner Karriere die Olympia-Sache. Für mich sind aber die wichtigsten Erfolge die aktuellen Erfolge. Eine ganz besondere Zeit war für mich meine Zeit als Sportdirektor des Schweizer Teams Alinghi, das 2003 in Auckland (Neuseeland) den America’s Cup gewann und den Titel 2007 vor Valencia (Spanien) erfolgreich verteidigte.

Wie kommt der erfolgreichste deutsche Segler in das Ostseebad Kühlungsborn?
Nun ja, der Dragon Grand Prix ist eine wichtige und sehr bekannte Regatta in der Drachenklasse und Kühlungsborn bietet durch den Standort ein perfektes Segelrevier: eine gerade Küste, Wind und wenn man 100 Meter aus der Marina segelt, befindet man sich schon auf der offenen See. Kühlungsborn gefällt mir sehr gut, die Infrastruktur ist hervorragend für solch ein Event – tagsüber Sport und abends kann man noch gemütlich flanieren oder es sich im Restaurant gut gehen lassen.

Was sind Ihre nächsten Ziele im Segel-Sport – haben Sie Hoffnung den Dragon Grand Prix 2017 zu gewinnen?
Um ehrlich zu sein, nutzen wir den Dragon in Kühlungsborn dieses Jahr als Trainings-Regatta für den Dragon Gold Cup im Oktober 2017 in St. Tropez. Wir segeln in dieser Team-Konstellation nämlich das erste Mal – mein Team das sind Thomas Müller, Ingo Borkowski und ich. Auch ein mehrfacher Olympiasieger schüttelt ohne viel Übung und Training keinen Sieg aus dem Ärmel.

Sie sind schon in vielen verschiedenen Booten bzw. Bootsarten erfolgreich gesegelt, haben Sie ein Lieblingsboot?
Normalerweise segle ich auf viel größeren Booten als die Drachen, mit einem viel größeren Team. Aber ein Lieblingsboot habe ich nicht. Das wichtigste für mich ist die Team-Zusammensetzung – mit den richtigen Leuten auf See kommt der Spaß und nur dann kommt auch der Erfolg. Der Erfolg und das Gewinnen machen natürlich auch Spaß.

Sie wohnen in Bayern unterhalb von München – wie passt das zusammen als Profi-Segler?
Naja, ich bin ja gebürtiger Berliner und auch da gab es kein Meer. Aber auch auf Seen kann man ja sehr gut segeln. Für Anfänger ist das Segeln auf Binnengewässern leichter zu lernen. Je mehr man dann kann, desto größer werden die Schiffe, die man segelt und auch die Meere, auf denen man segelt.

Nun die letzte Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Segelsports?
Oh da piksen Sie aber ein leidiges Thema an. Segeln ist die perfekte Kombination aus Natur, Spaß und Intellekt. Diese Mischung macht für mich Segeln zu einem traumhaften Sport und vielen anderen Seglern geht das ähnlich. Leider ist aber das Segeln auch ein exklusiver und damit teurer Sport. Die fehlende mediale Anerkennung des Segelsports ist ein sehr großes Manko und das macht es unter anderem auch dem Nachwuchs sehr schwer, eine Profi Karriere einzuschlagen. Viele tolle junge Segler entscheiden sich meistens dann doch für einen Beruf von dem man gut (im finanziellem Sinne) leben kann. Ich wünsche mir, dass sich dieses gesellschaftliche und auch mediale Problem in den kommenden Jahren zugunsten des Segelsports verändert.